Hans Frohwein

Wieder einmal stand eine Rede zur Debatte.


Hans Frohwein trat in aller Stille vor das Katheder.


Es wurde deshalb nicht lauter.


Das Katheder schwieg.


Es wusste, was auf ihm lag, wer vor ihm stand, was nun folgen
wrde - aber es schwieg - so - wie es - immer - schon
geschwiegen hatte - wenn es in eine Debatte ging. Was gingen
es
die Debatten an, schliesslich lagen nur die Reden auf ihm.


Alle Reden.


Reden, die gehalten wurden; Reden, die nicht gehalten
wurden.


Nie wurde etwas laut.


Alles redet und schweigt zugleich.


Hans Frohwein rusperte sich, begann zu lesen, trank hin
und
wieder Wasser, rusperte sich, gestattete Zwischenfragen
und
las, hinter dem Pult stehend, eine halbe Brille auf der
Nase.


Das Gelesene drang ber das Pult in den Saal an die Zuhrer.


Frohwein schweigt.


Er bringt nicht ein Wort mehr ber die Lippen, als die Bltter
des Katheders es zulassen.


Er ist hilflos - das ahnte das Katheder und - lchelte.


Frohwein, der Gefangene eines Katheders.


Frohwein hielt eine glnzende Rede, bekam stillen Applaus,
wurde
fr die nchste Legislaturperiode zum obersten Parteisprecher
dritten Grades gewhlt -
einstimmig lautlos.


Das Katheder erfllt seine Funktion - schreibt und schweigt,
schweigt und schreibt.


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